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Aber es gibt noch eine andere, vielleicht noch wichtigere Perspektive:
Im Spanischen bedeutet der Begriff calvario (= Kalvarienberg) auch Leidensweg oder großes Leid
erfahren.
Mit dieser Bedeutung soll sich bei der Installation / Ausstellung intensiv auseinandergesetzt werden.
Was bedeutet der Begriff Kalvarienberg für uns und unsere vergangenen und zukünftigen Lebensabschnitte?
Bei der Ausstellung wird mit Texten Bezug auf ganz aktuelle Leidenswege hergestellt, die genauer betrachtet zum großen Teil so alt
sind, wie die Menschheit selbst.
Da ist Krankheit und Tod, Missbrauch und Vergewaltigung, Mobbing, Demütigung und Depression,
Minderwertigkeitsgefühl bis zur Selbstzerstörung, Drogenabhängigkeit, Verrat von Liebe und Freundschaft, Krieg,
Flucht, Asyl, Pogrome, Unterdrückung, Gefangenschaft, Folter, Widerstand und Verfolgung aus religiösen Motiven, nur
einige zu nennen − und die Meisten und oft Schmerzlichsten sind die, die von Menschen an Menschen begangen werden.
Tagtäglich sind wir − Christen, Andersgläubige, Atheisten und Agnostiker − damit konfrontiert und aufgerufen, die Augen
nicht zu verschließen und uns gegen begangenes Unrecht zu stellen oder da zu sein, wenn wir Menschen begegnen, die gerade
ihren steinigen Kalvarienberg durchleiden.
Die Kreuze als Träger der Bilder und der Texte
Die Kreuze stehen für das Leiden des Gekreuzigten selbst und für alle,
die so wie er hingerichtet wurden und werden. Viele sind diesem Wahnsinn
zum Opfer gefallen, ohne sich wirklich schuldig gemacht zu haben. Sie starben
dafür, weil sie sich für ihre Überzeugung einsetzten, taten, was ihnen
wichtig und für sie richtig war.
Aber auch "kultivierte Gesellschaften" kennen selbst für die wegen eines
Gewaltverbrechens Verurteilten keine würdige Antwort auf deren Verfehlungen
und morden von Staats wegen.
Die Kreuze und die Rahmen
Ihre leichte Bauweise steht für die Zerbrechlichkeit unseres Lebens.
Im Gedanken eines Augenblicks, im Hauch eines Lidschlags kann es sich so verändern,
dass wir Mitten in einem reißenden Strom stehen
und sich für uns ein Leidensweg eröffnet, welcher uns dermaßen überrascht,
dass wir aus der Bahn geworfen, nur sehr schwer oder auch
gar nicht mehr wegkommen.
Wir stranden dort, wo uns niemand mehr erreicht.
Die Tankas
Tankas sind eine reimlose japanische Gedichtform die mindestens 1.300 Jahre alt ist. Bei uns kennt man Haikus,
die sich erst Jahrhunderte später daraus entwickelt haben.
Tankas bestehen aus 5 Zeilen mit jeweils 5 − 7 − 5 − 7 − und 7 Silben.
Diese starke Beschränkung führt dazu, dass man genau abwägen muss, was man sagt und vor allem wann.
Ausufernde Möglichkeiten machen das Schreiben von Gedichten nicht einfacher,
auch wenn man denkt, aus dem Vollen zu schöpfen wäre das Maß aller Dinge.
Die Nägel
mit denen die Tankas montiert sind, sollen die Nägel versinnbildlichen, die verwendet werden, um Menschen ans Kreuz zu nageln,
die sich nicht einordnen wollen, die abgelehnt werden, die man nicht in der Nähe haben will -
und die damit auf einen schmerzvollen Kalvarienberg geschickt werden.
Bei allem was wir denken, tun oder glauben richtig zu machen, stellen wir uns immer wieder die Fragen:
Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Was ist der Sinn des Lebens
?
Selten fragen wir:
Wer sind wir? Was haben wir bisher getan? Was haben wir
verstanden?
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